no limits – der unverschämte Dreh an der Preisschraube

22.Februar.2012

Verisign und Neustar, die Registries der Endungen .com, .net und .biz haben zu Beginn dieses Jahres die Grundpreise für Domainregistrierungen kräftig erhöht, das sind die Einkaufspreise für Registrare und Webhoster, bei deren Kunden mit Sonderkonditionen dürfte wohl kaum Freude aufkommen, denn die Preiserhöhungen werden eins zu eins weitergegeben;-)

das ist die vierte Grundpreiserhöhung innerhalb von sechs Jahren, deren Rahmen die Dachorganisation Icann im Einklang mit den Registries festgelegt hatte und der Rahmen für Preiserhöhungen wurde bisher voll ausgeschöpft – fast – denn die vierte „Preisanpassung“ für die Endungen .org und .info steht eigentlich noch aus, bisher haben die relevanten Registries der gTLD’s, das sind Verisign, Pir, Afilias und Neustar, ihre Preisanpassungen nach oben nicht gleichzeitig, sondern mit zeitlicher Verzögerung von wenigen Monaten vollzogen, wo Verisign bisher immer den Takt angegeben hat;-)

kurzer Rückblick:

Verisign hatte vor Jahren die Icann wegen angeblicher „Wettbewerbsbehinderung“ verklagt – Zoff wegen des SiteFinder Abfangdienstes – der grosse juristische Schlagabtausch blieb aber aus, denn es wurde eine „friedliche Einigung“ erzielt: Verisign behält sein .com Monopol auf unbestimmte Zeit, eine Neuvergabe der .net steht derzeit auch nicht zur Disposition, dafür zog der börsennotierte Konzern im Gegenzug seine Klage gegen Icann zurück. Infolgedessen sind besondere Verträge zwischen der Dachorganisation und ihren einflussnehmenden Vertragspartnern abgeschlossen worden, die eine Freikarte für exorbitante Grundpreiserhöhungen sind, mit weitreichenden Folgen!

die Begründung und was dahinter steckt:

Verisign hat seine Preiserhöhungen lapidar mit der steigenden Nutzung des Internets und der gestiegenden Anzahl an DDos Attacks begründet und will die Mehreinnahmen angeblich für Investitionen in die Infrastruktur stecken, die Mitbewerber Pir, Afilias und Neustar haben ihre Preiserhöhungen bisher nie begründet;-) Zum Vergleich: die tech. Anforderungen an die Denic sind nicht geringer, nur komisch, dass das deutsche Zentralregister die Einkaufspreise für Registrare und Webhoster im Laufe der letzen zehn Jahre deutlich nach unten korrigiert hat und als genossenschaftliche Verwaltung dennoch sehr gut aufgestellt ist, denn steigende Stückzahlen lassen die aufzuwendenden Kosten je Stück senken, dafür kann die Denic meines Wissens die meisten Domainregistrierungen (bald 15 Mio .DE Domains) unter den Länderendungen für sich verbuchen;-)

Verisign’s Begründung ist kaum sattelfest, denn zur Erhaltung der Stabilität der Online Infrastruktur tragen imho im Wesentlichen die Registrare und Webhoster bei, deren Alltagsgeschäft durch einen unbarmherzigen Wettbewerb untereinander gekennzeichnet ist. Zudem haben die auf dem Weltmarkt deutlich gesunkenen Hardware-Kosten diverse Hoster in die günstige Lage versetzt, z.B. dedizierte Server dauerhaft sehr preisaggressiv anzubieten;-)

Das Domainparking vor ca acht Jahren hat eine wahre Flut an Domainspekulanten hervorgebracht, Massenregistrierungen und die Haltung von volumigen Domainportfolios haben nicht nur die Existenz darauf spezialisierter Domainhoster gesichert, sondern sind auch Garant dafür, dass trotz „gestiegener Nutzung des Internets“ Verisign und Co nicht am Hungertuch nagen;-)

Frisst der Domainmarkt seine Spekulanten?

ein Zusammenhang zwischen den Grundpreiserhöhungen in Folge und der mittlerweile sehr umstrittenen und nahezu unlimitierten Freigabe des Adressraums durch die Icann für die sog. nTld’s ist in meine Augen nicht mehr von der Hand zu weisen, denn die Reg Fees der neuen Endungen werden mit grosser Wahrscheinlichkeit deutlich teurer sein als das bisher gewohnt zivile Preisgefüge für die traditionellen gTLD’s, das nicht so recht mit dem neuen Geschäftsmodell der Icann und seiner Vertragslobbyisten harmonisieren will;-) Gut möglich, dass Verisign als favorisierte Backend Registry für neue Domainendungen einen Teil der Mehreinnahmen für Investitionen vorgesehen hat und damit stark expandieren will, ob die Rechnung aufgehen wird, ist allerdings ungewiss! Die bisher fetten Boom-Jahre jedenfalls sollte Verisign idealerweise dazu genutzt haben, mehr als ausreichend Rücklagen für notwendige Qualitätssicherungen gebildet zu haben;-)

der Domainhandel kann insgesamt deutliche Zuwächse verbuchen, in diesem Markt der spekulativen Träume mischen mittlerweile unzählige Investors sowie kleine und grosse Domainagenturen mit. Die Domainbranche ist insgesamt zu einem Konjunkturmotor innerhalb der IT-Branche geworden, deswegen wird sie von Vertretern diverser Verbände glanzvoll als gewachsene Domainindustrie bezeichnet, mir persönlich ist diese Bezeichnung allerdings zu hochtrabend;-) Die Registries einschliesslich der Dachorganisation Icann sind über die Jahre fett und hochmütig geworden, in meinen Augen ist es auch nachvollziehbar, dass die Verantwortlichen der umstrittenen Grundpreiserhöhung indirekt am boomenden Domainhandel mit seinen teils traumhaften Verkaufspreisen mitverdienen will und die Schar an hoffnungsvollen Spekulanten, die der Domainhandel hervorgebracht hat, die eigentliche Ursache für die Zulassung weiterer, völlig überflüssiger Domainendungen ist, denn eine Marktanalyse bezüglich echter Nachfrage zum Nutzen der Netizens ist Icann und Co seriösen Kritikern und Ökonomen bis heute schuldig geblieben!

Monopole verderben eine Branche

wie diktiere ich als Monopolist in einem ansonsten funktionierendem Wettbewerb die Preise? 1) ich schaffe eine künstliche Verknappung von begehrten Waren und Dienstleistungen. 2) durch Bildung einer Oligarchie und in Folge illegaler Preisabsprachen mit meinen „Mitbewerbern“ setze ich meine Preiserhöhungen durch, da alle Beteiligten mitmachen;-)

Die Icann hat die illegalen Preisabsprachen letztendlich durch besondere Verträge festzementiert, weitere, kräftige Grundpreiserhöhungen sind für die kommenden Jahre nicht auszuschliessen! Wir reizen den Markt aus, indem wir ungeniert an der Preisschraube drehen! im Grunde genommen haben Icann, Verisign und Co das Glanzwerk vollbracht, den notwendigen Wettbewerb bezüglich Preisstabilität zwischen den relevanten Registries per Vertrag auszuschalten, besonders pikant ist, dass Verisign mit der (zeitlich unbegrenzten) Verwaltung von zwei potenten Domainendungen (.com und .net) bezüglich unverschämter Preistreiberei quasi Narrenfreiheit geniesst;-) Verisign ist ein Domainmonopolist, der seine Marktposition in unzulässiger Weise missbraucht, die marktbeherrschende Position benachteiligt nachgeschalteter Wettbewerber massiv, das sind die Domain – und Webhoster mit der Sorge um den Verlust von Bestandskunden;-)

Insbesondere für US-Amerikanische Hoster wie GoDaddy z.B. sind die Grundpreiserhöhungen auf Dauer sehr schmerzhaft, deutsche Registrare können etwaige Domainkündigungen der gTLD’s durch die preiswerten Haltungskosten der .DE kompensieren. Sicher, bei Kritikern, denen der Domainhandel suspekt ist, kommt jetzt grosse Freude auf, mit grosser Wahrscheinlichkeit werden deutlich mehr verwertbare Domainnamen unter den gTLD’s von ihren Inhabern wieder ausgespuckt, dennoch sollte man sich nicht zu früh freuen, die Filetstücke unter den Ausgespuckten schnappen sich durch sog. Drop-Catching diverse Domaininvestors bzw spezialisierte Pools, die begehrte Domains via Auktionen weiter verschachern, im ungünstigen Fall ziehen glamouröse Domaininvestors mit zweifelhaften finanziellen Backrounds ganze wertige Domainbestände ab, weil deren Vorbesitzer die exorbitant steigenden Haltungskosten nicht mehr mittragen wollen, dafür wird das Internet durch die „kreative“ Verwertung abgezogener Domains noch mehr durch Linkfarmen, Spamseiten und anderen Mindercontents zugemüllt;-)

Fazit: am Schluss werden im Falle einer ungezügelten Preisorgie die Domain – und Webhoster zu den grossen Verlierern gehören, die einen deutlichen Verlust an Bestandskunden zu beklagen haben, das sind insbesondere die preissensiblen Kunden, die mit dem Domainhandel nichts am Hut haben. Domains und Webhosting sind unzertrennlicher Partner und haben bisher nachhaltig den Arbeitsmarkt belebt! Es ist schon markant, dass die über den Sekundärmarkt erzielten Spitzenpreise für Domainverkäufe i.d.R Domains mit den gewohnt günstigen Haltungskosten sind;-)

es ist nicht mehr auszuschliessen, dass die US-Kartellrechtsbehörde eingeschaltet wird, um dem bunten Treiben von Icann und Co ein Ende zu setzen. Grössenwahn und masslose Gewinnsucht verderben eine Branche und kosten Jobs, Verisign riskiert eine Zerschlagung, vergleichbar mit Zerschlagung von At&t, die auch die Icann hart treffen wird!

in einer Zeit, wo sich demokratisch legitimierte Regierungen zwielichtigen Ratingagenturen beugen und unbedarfte Politik durch rücksichtslose Lobbyisten infiltriert ist, zeigt der aktuelle Zustand der Icann und ihrer Vertragspartner allzu deutlich, wie unentbehrlich die Arbeit von unbestechlichen Wettbewerbshütern und fachkompetenten Gerichten geworden ist, mit einer effizienten Schlagkraft gegen Korruption und Vetternwirtschaft, im Sinne für die Wiederherstellung von fairem Wettbewerb, der allen Marktteilnehmern und Kunden zu Gute kommt.